MÜNCHENS MOST WANTED
Fahndung läuft: Sechs Arten mit außergewöhnlichen Superkräften gesucht
Sie verstecken sich in Parks, Gärten, Hinterhöfen und an Flussufern. Manche sind selten geworden und brauchen unsere Hilfe. Andere breiten sich so erfolgreich aus, dass sie heimische Arten verdrängen.
Das Referat für Klima- und Umweltschutz sucht deshalb Münchens „Most Wanted“: sechs Arten mit besonderen Fähigkeiten – von gefiederten Stadthelden über nächtliche Stachelritter bis hin zu pflanzlichen Eroberern.
Deine Mission
Halte Ausschau nach unseren Gesuchten und melde deine Beobachtungen inkl. aussagekräftigem Foto (am besten von mehreren Merkmalen und Perspektiven) über das Projekt „Münchens Most Wanted“ auf iNaturalist.
Jede Sichtung hilft dabei,
- seltene Arten besser zu schützen,
- ihre Lebensräume zu erhalten,
- die Ausbreitung invasiver Arten zu dokumentieren und
- die biologische Vielfalt Münchens zu stärken.
Kannst du alle sechs finden?
🔎 Der kleine Körnerkollege
🔎 Der kugelige Stachelritter
🔎 Captain Kupferfeder
🔎 Der dichte Durchsetzer
🔎 Der unaufhaltsame Eroberer
🔎 Der kriechende Überwucherer
Jetzt iNaturalist App laden, auf Arten-Safari gehen und Sichtungen im Projekt „Münchens Most Wanted“ inkl. aussagekräftigem Foto (am besten von mehreren Perspektiven) melden:
Die Fahndungsakten:
🚨 GESUCHT: Der kleine Körnerkollege | Alias: Spatz

Wer bin ich?
Ich bin der Hausperling, aber meine Freunde nennen mich Spatz. Früher hast du mich in den Dörfern und Städten oft gesehen. Weil ich in Gruppen lebe, war ich auch nicht zu übersehen. Ich war einst ein allgegenwärtiger Begleiter in Dörfern und Städten. Schon vor vielen Tausend Jahren habe ich mich euch Menschen angeschlossen. Bei uns Tieren nennt man das „Kulturfolger“. Leider verschwindet unser Tschilpen langsam aus Münchens Altstadt. Die zunehmende Versiegelung von Flächen und moderne Fassaden ohne Strukturen und Nischen, in die wir unser Nest bauen können, machen uns das Leben schwer.
Woran erkennst du mich?
Mit meiner graubraunen Farbe, meinem kräftigen Schnabel, meiner grauen Kappe und meiner oft hüpfenden Fortbewegung kannst du mich eigentlich nicht verwechseln. Meine Frau hat zwar keine graue Kappe, ist mit ihrem hellen Streifen über den Augen aber sehr attraktiv. Meine Verwandten, die Feldsperlinge, sehen hingegen alle gleich aus. Du erkennst sie gut an ihrem schwarzen Wangenfleck.
Was ist mir wichtig?
Ich bin ein geselliger Kerl und wohne in Kolonien. Gemütlich finde ich es in geschützten Hohlräumen an Gebäuden. Mein Lieblingsessen sind Samen und Körner. Mein Nachwuchs mag es lieber proteinreich: Die Kleinen brauchen viele Insekten, damit sie schnell groß werden. Meine Federn halte ich durch Staubbäder gesund, daher darf es für mich in deinem Garten gerne ein bisschen unordentlich sein.
🚨 GESUCHT: Der kugelige Stachelritter | Alias: Igel
Fast jeder kennt mich – Ich bin vielen Menschen bekannt und war lange ein häufiger Gast in Gärten, Parks und Siedlungen. Als Schutz vor meinen Feinden habe ich ein robustes Stachelkleid und werde bei Gefahr zu einer eindrucksvollen Stachelkugel. Leider beeindruckt meine Stachelrüstung Autos und Mähfahrzeuge nicht. Zaunsockel sowie Zäune und Mauern ohne Durchlässe machen mir zu schaffen, da ich nicht hindurchpasse.
Woran erkennst du mich?
Meine Stacheln sind umgewandelte Haare. Durch mein Stachelkleid kannst Du mich mit keinem anderen Tier verwechseln. Wenn wir erwachsen sind, schmücken uns Igel bis zu 8000 Stacheln.
Was ist mir wichtig?
Ich esse sehr gerne Insekten und bin daher ein nützlicher Gast in deinem Garten. Wenn es dunkel wird, ziehe ich im Licht der Dämmerung um die Häuser. Das mache ich als Einzelgänger ausschließlich allein. Mein Revier ist sehr groß – ich laufe gerne mal über 100 Hektar ab. Das ist so viel wie 140 Fußballfelder. Den Winter verschlafe ich – in einem trockenen und frostsicheren Bett, z.B. in Erdmulden, unter Hecken oder in Reisighaufen.
🚨 GESUCHT: Captain Kupferfeder | Alias: Gartenrotschwanz
Wer bin ich?
Ich bin ein farbenfroher Zeitgenosse und liebe offene, strukturreiche Bereiche mit alten Bäumen. In München findest du mich daher nur in alten Gärten und Parks. Der Winter in München ist mir viel zu kalt. Daher mache ich mich im Spätsommer schon auf den Weg und fliege nach Afrika, wo ich südlich der Sahara mein Winterquartier habe. Weil der Weg so weit ist, bin ich nur etwa von Mitte April bis Mitte August bei dir.
Woran erkennst du mich?
Ich habe als stolzes Gartenrotschwanz-Männchen eine charakteristische orangefarbene Brust, die sich deutlich von meiner schwarzen Kehle und meinem weißen Stirnband abhebt. Meine Frau kleidet sich unauffälliger. Mit ihrem leicht orangenen Brustgefieder und ihren orangeroten Schwanzfedern ist sie aber auch ein echter Hingucker und zeigt ein bisschen Farbe.
Was ist mir wichtig?
Ich brüte in Höhlen und Halbhöhlen an älteren Bäumen. Gibt es die nicht, ziehe ich auch in eure Nistkästen ein. Leider wird mir meine späte Rückkehr aus dem Süden oft zum Verhängnis. Wenn ich im April wieder in München bin, sind die Bruthöhlen häufig bereits von Meisenfamilien belegt. Ich esse vor allem Insekten, die ich mir von Sitzwarten aus schnappe.
🚨 GESUCHT: Der dichte Durchsetzer | Alias: Japanischer Staudenknöterich und seine Verwandten
Wer bin ich?
Meine größte Stärke ist meine enorme Wuchskraft und meine Fähigkeit auch aus kleinsten Wurzelstücken im Boden sofort wieder auszutreiben. Eigentlich bin ich aus dem östlichen Asien und wurde als exotische Gartenpflanze mit nach Europa genommen. Heute bin ich keine Gartenpflanze mehr, sondern fast überall anzutreffen. Ich bilde dichte Bestände und setze mich sehr erfolgreich gegen andere Pflanzen durch. Meine leckeren jungen Pflanzentriebe kannst du essen. Aber bitte achte bei der Ernte penibel darauf, dass keine Pflanzenstücke verteilt werden. Sonst verbreite ich mich noch mehr.
Woran erkennst du mich?
Ich bilde innerhalb eines Jahres bis 3 Meter hohe, bambusartige Stängel mit großen herzförmigen Blättern. Im Winter ziehe ich mich ein und beim ersten Frost sterben alle meine oberirdischen Teile ab. Mein weit verzweigtes und bis zu 2 Meter tiefes Wurzelwerk übersteht den Winter problemlos, und ich treibe im Frühjahr einfach wieder neu aus. Pro Jahr schaffe ich es, mich etwa einen Meter zusätzlich auszubreiten.
Warum bin ich in der Natur nicht gerne gesehen?
Wo ich einmal Fuß gefasst habe, wachse bald nur noch ich. Das schaffe ich mit meiner extremen Schnellwüchsigkeit und meinen außerordentlichen Regenerationskräften. Viele nennen mich daher auch invasiv. An Dämmen und Deichen verursache ich Schäden, weil die Pflanzen am Boden unter mir keine Chance haben zu wachsen. Wenn im Winter meine oberirdischen Pflanzenteile absterben, liegt der nackte Boden frei. Er ist dann Wind und Wetter ausgesetzt, und durch Erosion werden so aufwändige Reparaturen nötig. Meine starken Wurzeln können sogar Fundamente und Verkehrsinfrastruktur beschädigen. Die Entfernung von bereits etablierten Beständen stellt Eigentümer*innen und Kommunen vor große Herausforderungen, und die beste Lösung ist immer noch nicht gefunden worden. Irgendein Wurzelstück lasse ich immer zurück…
🚨 GESUCHT: Der unaufhaltsame, anpassungsfähige Eroberer | Alias: Götterbaum
Wer bin ich?
Ich bin ein Überlebenskünstler aus Asien: schnellwachsend, hitzeresistent und extrem anpassungsfähig. Mit diesen Talenten erobere ich insbesondere die Städte und schrecke dabei auch vor widrigsten Standorten nicht zurück. Der Klimawandel kommt meinem Naturell zusätzlich entgegen. Meinen Namen verdanke ich übrigens angeblich meinem schnellen Höhenwachstum: Ich kann 1-2 Meter pro Jahr „zu den Göttern“ emporschießen. Damit bin ich der am schnellsten wachsende Baum in Europa.
Woran erkennst du mich?
Ich bin ein mittelgroßer Laubbaum mit großen gefiederten, aber glattrandigen Blättern. Meine weißen, rispenförmigen Blüten erscheinen im Hochsommer. Daraus bilde ich später geflügelte Nussfrüchte. Zerreibt man meine Blätter entsteht ein charakteristischer ranziger Geruch. Lose verwandt bin ich mit dem Essigbaum. Ihn erkennst du aber an seinen roten aufrechten Fruchtständen und seinen gezähnten Fiederblättchen.
Warum bin ich in der Natur nicht gerne gesehen?
Aufgrund meiner Talente und meiner hohen Hitzetoleranz, die ich aus meiner asiatischen Heimat mitgenommen habe, habe ich gegenüber den heimischen Bäumen vor allem innerhalb der Stadt einen deutlichen Vorteil. Daher werde ich als invasiv bezeichnet. Um mir Platz zu schaffen, kann ich sogar Bausubstanz und Infrastruktur durch mein starkes Wachstum zerstören. Meine hohe Samenproduktion und meine Fähigkeit, direkt aus meinen Wurzeln auszutreiben und neue Bäume zu bilden, machen es mir leicht, mich auszubreiten.
🚨 GESUCHT: Der kriechende Überwucherer | Alias: Cotoneaster (Zwergmispel)
Wer sind wir?
Wir Zwergmispeln sind eine Gattung von etwa 90 Arten und stammen vor allem aus den Gebirgen Zentral- und Westasiens her. Die meisten von uns sind niedrigwüchsige Sträucher mit hübsch anzusehenden Blüten und roten Beeren. Wir werden oft auf Parkplätzen und Gärten als pflegeleichte und attraktive Bodendecker eingesetzt. Mittlerweile erobern wir aber auch lichte Wälder, und selbst die freie Landschaft ist nicht mehr vor uns sicher. Dabei werden wir von Vögeln unterstützt, die unsere Beeren fressen und dadurch unseren Samen verbreiten. Aber auch ihr tragt ungewollt zu unserer Verbreitung bei, falls ihr Gartenabfälle unsachgemäß in Parks, Grünanlagen, Wäldern oder in der freien Landschaft entsorgt. Das spielt uns bei unserem Eroberungszug in die Karten.
Woran erkennst du uns?
Du erkennst uns an kleinen, glänzenden harten Blättern, die oft ganzjährig grün sind. Unsere unscheinbaren weißrosafarbenen Blüten im Frühjahr werden im Herbst zu zahlreichen roten Beeren. Unsere dornlosen Triebe breiten sich bodennah kriechend oder teppichartig aus.
Warum bin ich in der Natur nicht gerne gesehen?
Unsere Vorzüge als pflegeleichte Bodendecker sind in der Natur ein echtes Problem. Durch unsere überwuchernde Wuchsform können wir heimische Arten erfolgreich verdrängen. Wir sind generell sehr anspruchslos und kommen auch mit Hitzeperioden gut klar. Der Klimawandel kommt unserem Naturell daher zusätzlich entgegen. Flächen mit Obstbau fürchten uns, da wir sehr anfällig für den Feuerbrand sind und die mit uns verwandten Obstbäume damit anstecken können. Der Feuerbrand wird durch ein Bakterium ausgelöst und führt meist zum Absterben der Pflanzen.