Elektrogeräte nachhaltig kaufen und nutzen
Ein Leben ganz ohne Elektrogeräte? Wohl keine Option.
In unserer heutigen Welt sind elektronische Geräte aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – und das ist in vielerlei Hinsicht auch gut so. Wo früher Kinder schwere Schulranzen mit dicken Büchern trugen, reicht heute oft ein leichtes Tablet. Auch im Haushalt sind die smarte Küchenmaschine, der Wasserkocher mit Temperaturanzeige oder der schnurlose Staubsauger unverzichtbar – man stelle sich vor, wie es ohne diese elektronischen Helfer wäre! Und über das Smartphone muss man kaum noch sprechen: Es dient schon lange nicht mehr nur dem Telefonieren, sondern ist Kalender, Kamera, Fahrkartenautomat, Einkaufszettel und vieles mehr in einem.
Auf Elektrogeräte zu verzichten, ist eigentlich für niemanden eine Option. Doch das bedeutet nicht, dass Sie beim Kauf einfach unkritisch zugreifen sollten. Vielmehr geht es darum, bewusste Entscheidungen zu treffen: Muss ich das Gerät wirklich besitzen – oder kann ich es vielleicht leihen oder teilen? Und wenn ich mich für einen Kauf entscheide: Wie finde ich eine nachhaltige Variante?
Elektronik clever konsumieren: Leihen, mieten, tauschen oder nachhaltig kaufen.
Viele Menschen kaufen regelmäßig neue Handys, Laptops oder Haushaltsgeräte – oft, obwohl die alten Geräte noch funktionieren oder leicht zu reparieren wären. Allein im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 20 Millionen neue Smartphones verkauft. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von nur 2,5 Jahren könnten dadurch über 210 Millionen sogenannte „Schubladenhandys“ entstehen – ungenutzte Geräte, die wertvolle Ressourcen binden (Quelle: Vodafone Institut, 2024).
Dabei gibt es verschiedene Ansätze um Geräte länger zu nutzen – durch Reparatur, Wiederverwendung oder professionelle Wiederaufbereitung (Refurbishment). Vor dem Neukauf sollte stets geprüft werden, ob eine Reparatur und Weiternutzung sinnvoll ist. Reparaturangebote findet ihr z.B. über den Reparaturführer des AWM und mehr zum Thema in diesem Artikel.
Dann ist die Frage, ob es unbedingt das allerneuste Modell sein muss oder ob ein gebrauchtes oder wiederaufbereitetes Gerät nicht genauso gut ist. Das schont die Umwelt, den Geldbeutel und liegt im Trend. Denn der Kauf von gebrauchten Geräten wird auch in München immer beliebter: In den letzten fünf Jahren hat hier statistisch gesehen jede 68. Einwohnerin bzw. jeder 68. Einwohner unserer Landeshauptstadt ein wiederaufbereitetes Gerät gekauft – mehr als in jeder anderen deutschen Metropolregion. Damit ist München bundesweiter Vorreiter in Sachen Refurbished-Kauf.
Gerade bei Elektronikgeräten lohnt sich das besonders: Ein generalüberholtes Smartphone verursacht über 70–80 % weniger CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und Rohstoffbedarf im Vergleich zu einem Neugerät. (Quelle: Fraunhofer UMSICHT)
Wie funktioniert nachhaltiger Elektronikkonsum konkret?
Gebraucht oder refurbished kaufen
Weitere lokale Anbieter für Second-Hand-Elektrogeräte (sowie Kleidung, Möbel und mehr) in München finden Sie im „Secondhandführer“ des AWM.
Der Abfallwirtschaftsbetrieb München betreibt außerdem mit der Halle 2 in Pasing, dem Halle2 Pop Up Store in Schwabing, dem Halle 2 Mobil und dem Halle 2 Container eine städtische Wiederverkaufsplattform. Hier werden gebrauchte, funktionsfähige IT-Geräte angenommen, geprüft und günstig weitergegeben.
Technik mieten oder leihen statt kaufen
Kurzzeitiger Bedarf lässt sich durch Mietangebote abdecken – das gilt vor allem für Werkzeuge. In München geht das ganz einfach über die Münchner Werkzeugbibliothek oder über einen Maschinenverleih.
- Werkzeugbibliothek München
Die Münchner Werkzeugbibliothek funktioniert wie eine Bücherei – nur für Geräte. Ob Bohrhammer, Mixer, Hochdruckreiniger oder Stehtisch: Hier können Bürger*innen Geräte flexibel und kostengünstig ausleihen.
Der Hauptstandort befindet sich im Kulturzentrum Gasteig HP8, betrieben vom gemeinnützigen Verein Erfindergarden. Über 250 Geräte stehen zur Auswahl. Es gibt außerdem eine 24/7-Ausleihstation an der AWM Halle 2 in Pasing: Per Online-Registrierung und Buchung können rund 30 Geräte rund um die Uhr ausgeliehen werden – kontaktlos über einen automatisierten Schrank. - Bibliothek der Dinge Moosach
Im Stadtteil Moosach entsteht eine neue „Bibliothek der Dinge“ – ein ehrenamtliches Projekt unter dem Motto: „Teilen ist das neue Haben.“ Im Kulturtreff Karlingerstraße 17 stehen verschiedenste Gegenstände zur Ausleihe bereit – darunter auch Elektrokleingeräte, Musikinstrumente, Technik für Veranstaltungen oder Freizeitbedarf. Die Leihdauer beträgt bis zu 14 Tage, meist gegen eine kleine Spende oder Kaution. Das Projekt ist im Aufbau und lebt vom Mitmachen. Sachspenden und Engagement sind willkommen – vor allem für gut erhaltene, selten genutzte Gegenstände. - Pumpipumpe:
Auf der Karte von Pumpipumpe finden sich für München verschiedene Adressen wo Geräte geliehen werden können.
- Leihlexikon:
Die Website des Abfallwirtschaftsbetriebs München bietet zudem ein „Leihlexikon“ für die Stadt.
Tauschen und verschenken
- nebenan.de
Nachbarschaftsnetzwerk zum Tauschen und Leihen – zum Beispiel: „Wer leiht mir für zwei Wochen einen Beamer?“ - kleinanzeigen.de
Kategorien wie „Zu verschenken“ oder „Tausche“ bieten regelmäßig funktionstüchtige Elektrogeräte an – von der Mikrowelle bis zum Ventilator.
Langlebige Elektrogeräte einkaufen – worauf sollte man achten?
Ein neues Elektrogerät zu kaufen, heißt heute mehr denn je: bewusst entscheiden. Denn bei Produktion, Transport und Entsorgung entsteht eine erhebliche Umweltbelastung. Wer beim Kauf auf Reparierbarkeit, Langlebigkeit und Energieeffizienz achtet, verlängert die Nutzungszeit erheblich und spart dabei nicht nur Ressourcen, sondern oft auch Geld.
Doch wie erkennt man langlebige Geräte? Und woher weiß man, ob sie später gut zu reparieren oder mit Software-Updates versorgt sind? Es gibt hilfreiche Werkzeuge und Siegel, die genau das zeigen:
Reparierbarkeit und Co. : Worauf Sie achten sollten
Ein Gerät ist dann wirklich langlebig, wenn es nicht direkt ersetzt werden muss, sobald der Akku nachlässt oder das Display einen Defekt hat. Achten Sie deshalb darauf, dass wichtige Bauteile – wie Akkus oder Ladebuchsen – ausgetauscht werden können. Viele Hersteller setzen allerdings auf fest verbaute Teile, die sich nur mit großem Aufwand oder gar nicht reparieren lassen. Ein wichtiges Kriterium ist daher: Ist das Gerät verschraubt oder verklebt? Verschraubte Gehäuse lassen sich leichter öffnen – entweder selbst oder durch den Fachhandel.
Hilfreich ist hier die Plattform iFixit. Sie bewertet Smartphones, Laptops oder Tablets nach ihrem sogenannten Reparierbarkeits-Score. Ein Gerät mit einem hohen Score (z. B. 8 von 10) lässt sich einfach auseinandernehmen, Ersatzteile sind verfügbar, und Reparaturen sind günstig machbar. Ein niedrig bewertetes Gerät kann im Defektfall dagegen teuer oder gar nicht mehr instandgesetzt werden. Der Score ist somit ein wertvoller Kompass für nachhaltige Kaufentscheidungen.
Schon gewusst?! Seit dem 20. Juni 2025 gilt das Energielabel nun auch für Smartphones und Tablets. Es informiert über Energieeffizienz, Batterielebensdauer, Schutz vor Staub und Wasser sowie Sturzfestigkeit.
Erstmals enthält es auch einen Reparierbarkeits-Index (A–E), dargestellt mit einem Werkzeugsymbol. Bewertet werden unter anderem die Zerlegbarkeit, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Software-Updates sowie der Zugang zu Reparaturinformationen.
Ab 2027 soll auch für Wäschetrockner ein solcher Index gelten. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, den Reparierbarkeits-Index künftig auf weitere Haushalts- und Elektronikgeräte auszuweiten.
Garantie und Ersatzteilversorgung: Ein Blick auf die Langfristigkeit
Ein weiterer wichtiger Hinweis auf Langlebigkeit ist die Garantiezeit. Hersteller, die freiwillig fünf Jahre oder länger garantieren, zeigen damit Vertrauen in die Haltbarkeit ihres Produkts. Auch die Ersatzteilverfügbarkeit ist entscheidend: Gibt es über Jahre hinweg Ersatzteile zu fairen Preisen? Werden sie offen angeboten – oder nur an autorisierte Werkstätten? Solche Informationen finden sich oft im Kleingedruckten oder auf der Website des Herstellers. Eine einfache Nachfrage im Geschäft kann ebenfalls helfen.
Was sagen unabhängige Produkttests?
Viele Verbraucher*innen greifen bei Unsicherheit zu bekannten Marken – doch auch diese bieten nicht immer die langlebigsten Produkte. Verlässlicher sind Tests von Organisationen wie der Stiftung Warentest oder Öko-Test. Dort werden Geräte regelmäßig auf Qualität, Reparierbarkeit und Energieeffizienz geprüft. Besonders aufschlussreich sind Hinweise zur Verarbeitung, Ersatzteillogistik und Langzeitnutzung. Wer sich vor dem Kauf informiert, kann Fehlentscheidungen vermeiden – und kauft mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Gerät, das wirklich mehrere Jahre durchhält.
Updates verlängern die Nutzungsdauer – besonders bei digitalen Geräten
Vor allem bei Smartphones, Tablets oder internetfähigen Fernsehern ist die Software entscheidend. Gerät und Akku mögen noch intakt sein – aber ohne regelmäßige Sicherheitsupdates wird das System unsicher oder unbrauchbar. Achten Sie deshalb beim Kauf darauf, wie lange der Hersteller Software- und Sicherheitsupdates garantiert. Viele Hersteller geben diese Informationen inzwischen offen an – fehlen solche Angaben, ist das ein Warnzeichen.
Nachhaltigkeitssiegel richtig nutzen – was steckt dahinter?
Arbeitsbedingungen. Wenn Sie im Geschäft oder Onlinehandel ein TCO-Logo sehen, können Sie sicher sein: Dieses Gerät wurde unter unabhängiger Prüfung als nachhaltig ausgezeichnet. Produkte mit TCO-Label finden Sie hier.