Die Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie
„Das Prinzip ‚nehmen, nutzen, wegwerfen‘ stößt zunehmend an ökologische und wirtschaftliche Grenzen. Globale Krisen und unterbrochene Lieferketten führen uns vor Augen, wie wichtig eine sichere Versorgung mit Rohstoffen und die regionale Wertschöpfung sind. Kreislaufwirtschaft ist kein Nischenthema. Sie ist die Grundlage, um München fit für die Zukunft zu machen – das heißt klimaneutral, wettbewerbsfähig und resilient gegenüber globalen Herausforderungen.“
Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz
Münchens Weg zur Kreislaufwirtschaft
Die MKWS baut auf bewährten Strategien auf: Sie orientiert sich am Kreislaufwirtschaftsaktionsplan der EU (CEAP), an der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) sowie an der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS).
Gleichzeitig zahlt sie auf die Klimasatzung des Stadtrats ein, die München bis 2030 klimaneutral in der Stadtverwaltung und bis 2035 im gesamten Stadtgebiet machen soll.
Kreislaufwirtschaft ist nicht nur Umweltschutz, sondern auch Wirtschaftsförderung mit Weitblick. In Zeiten globaler Krisen, unterbrochener Lieferketten und steigender Rohstoffpreise hilft sie, regionale Wertschöpfung zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und lokale Unternehmen unabhängiger zu machen. Die MKWS setzt dabei auf regionale Kreisläufe, nachhaltige Beschaffung und die Förderung zirkulärer Geschäftsmodelle – für eine widerstandsfähige, innovative und faire Stadtwirtschaft.
Strategien auf EU-, Bundes- und Landesebene geben den Rahmen – doch umgesetzt wird Kreislaufwirtschaft vor Ort. Die MKWS übersetzt diese Vorgaben in den Münchner Alltag und zeigt, wie Klimaschutz, Ressourcenschonung und wirtschaftliche Innovation Hand in Hand gehen können. Mit über 85.000 Unternehmen, starker Kaufkraft und großem Innovationspotenzial hat München beste Voraussetzungen, Vorreiterin einer urbanen Kreislaufwirtschaft zu werden – und damit ein Vorbild für andere Städte in Deutschland und Europa.
Strategiehaus
Konkret hat sich die Landeshauptstadt München (LHM) fünf Hauptziele gesetzt, um die Kreislaufwirtschaft und die Einzahlung auf Münchens Klimaziele messbar zu machen – unter Berücksichtigung des Status Quo und von Zielen auf deutscher Ebene.
- Eine Reduktion des materiellen Fußabdrucks um 30 Prozent bis 2035, mit einem weiterführenden Ziel von 50 Prozent bis 2045.
- Eine Steigerung der Gesamtrohstoffproduktivität bis 2035 um 25 Prozent.
- Die aktive Beteiligung von mindestens 2.000 Organisationen, Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen am zirkulären Ökosystem Münchens.
- Eine Verdopplung der zirkulären Materialverwendungsrate (CMU-Rate) bis 2035.
- Eine Reduktion der Gesamtabfallerzeugung bis 2035 um 15 Prozent.
Um das zu erreichen, umfasst die MKWS 85 konkrete Maßnahmen in den Fokusbereichen Bauwesen und Infrastruktur, Bioökonomie, Produkte und Handel sowie den übergreifenden Bereich der nachhaltigen Beschaffung im Rahmen der Stadtverwaltung.
Entwicklung der Strategie
Für die Entwicklung der Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie (MKWS) wurde ein gemeinsamer Prozess gestartet, an dem die Stadtverwaltung, Fachleute und externe Partner beteiligt waren. Die Circular Economy Koordinierungsstelle (CEKS) erhielt vom Stadtrat den Auftrag, die Strategie zu erarbeiten. Unterstützt wurde sie dabei von Deloitte und der Circle Economy Foundation. Wichtig war, dass alle relevanten Akteur:innen frühzeitig einbezogen werden und die Schritte nachvollziehbar bleiben.
Zu Beginn wurde untersucht, wie zirkulär München heute ist. Dafür wurden politische Rahmenbedingungen analysiert, aktuell laufende zirkuläre Aktivitäten der Stadtverwaltung und eine große Stoffstromanalyse durchgeführt.
Diese zeigt deutlich: München verbraucht jedes Jahr rund 47 Millionen Tonnen Material. Der größte Teil – fast 60 % – entsteht im Bereich Bauwesen und Infrastruktur, also durch Gebäude, Straßen oder Baustoffe. Der Bereich Produkte und Handel, vor allem der gewerbliche Sektor, macht rund 16 % des Verbrauchs aus. Die Bioökonomie, zu der zum Beispiel Lebensmittel, Holz und Wasser gehören, verursacht weitere 10 %. Außerdem wurde die nachhaltige Beschaffung als wichtiger Bereich aufgenommen, denn Städte haben hier großen Einfluss: Öffentliche Einrichtungen machen in Deutschland etwa 15 bis 16 % des gesamten Einkaufsvolumens aus.
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurden in Workshops mit über 100 Expert:innen insgesamt 85 Maßnahmen entwickelt, die München dabei helfen sollen, Ressourcen zu sparen und klimafreundlicher zu werden. Dabei wurden auch Beispiele aus anderen europäischen Städten berücksichtigt, um erfolgreiche Lösungen nach München zu holen.
Anschließend wurden die wichtigsten Maßnahmen wissenschaftlich bewertet, um herauszufinden, welche davon den größten Beitrag zur Reduzierung des Materialverbrauchs leisten können. Damit die Umsetzung später gut verfolgt werden kann, wurde zusätzlich ein Monitoring-Konzept entwickelt. Es legt fest, welche Ziele erreicht werden sollen und wie regelmäßig überprüft wird, ob man auf dem richtigen Weg ist.
Begleitet wurde der gesamte Prozess ebenfalls durch den Austausch mit neun weiteren europäischen Städten im EU-Netzwerk „Let’s Go Circular!“. München lernt dort von anderen Städten, teilt eigene Erfahrungen und entwickelt die Strategie bis zum Abschluss so stetig weiter.