EU-Projekt CirCoFin: Wie München das Bauen neu denkt

Wie bauen wir morgen – und was passiert mit den Materialien von gestern? Von der linearen Wertschöpfung zum Aufbau einer kreislauforientierten gebauten Umwelt in München – genau damit beschäftigt sich das EU-Projekt CirCoFin (Circular Construction Finance). Gemeinsam mit Partnern aus Europa arbeitet die Stadt München daran, das Bauen nachhaltiger, ressourcenschonender und zukunftsfähiger zu gestalten.

Warum sich das Bauen verändern muss

Die Bauwirtschaft ist einer der größten Verursacher von Abfall und CO₂-Emissionen.
Allein in Deutschland fallen jedes Jahr über 200 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle an – das entspricht mehr als der Hälfte des gesamten Abfallaufkommens im Land 1 2.

Gleichzeitig stecken in Gebäuden enorme Mengen an wertvollen Materialien: u.a. Ziegel, Stahl, Holz, Bodenplatten, Türen oder Fenster, die nach dem Rückbau oft einfach entsorgt werden. Das muss sich ändern – wenn wir unsere Klimaziele ernst nehmen und verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen wollen.

Was ist eine Bauteilbörse?

Eine Bauteilbörse ist im Grunde ein Marktplatz für gebrauchte Baumaterialien. Hier könnten künftig Fenster, Türen, Ziegel oder Holzträger aus Rückbauten gesammelt, aufbereitet und erneut verkauft werden – an Architekturbüros, Handwerksbetriebe, Bauunternehmen oder private Bauherren.

So entsteht ein zweiter Lebenszyklus für Baustoffe – und gleichzeitig eine neue lokale Wertschöpfungskette.

Video (englisch): What is Circular Construction

Das Münchner Vorzeigeprojekt: Kreislaufwirtschaft in der Praxis

Im Rahmen des CirCoFin-Projekts erarbeitet München derzeit die Rahmenbedingungen für eine Bauteilbörse. Dazu werden folgende Fragen untersucht:

  • Wo könnte eine solche Börse räumlich verankert werden?
  • Wer könnte sie betreiben und wie ließe sich das wirtschaftlich tragen?
  • Welche Materialien eignen sich besonders für Wiederverwendung?
  • Wie kann eine digitale Plattform die Vermittlung erleichtern (Stichwort Materialpass)?
  • Welche Partner und Zielgruppen müssen eingebunden werden?

Diese Analysen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft, Herstellern und Handwerk – also den Akteuren, die den Wandel in der Praxis gestalten.

Das Ziel: Vom Konzept zur Praxis

CirCoFin will in München zeigen, wie zirkuläres Bauen konkret funktionieren kann – von der Rückbauplanung über die Materiallogistik bis zum Geschäftsmodell.

Langfristig soll daraus ein übertragbares Konzept entstehen, das auch anderen Städten in Europa als Vorbild dient. Denn nachhaltiges Bauen ist kein Zukunftsthema – es ist eine zentrale Aufgabe der Gegenwart.

Mit CirCoFin leistet München einen wichtigen Beitrag zu einer klimafreundlichen, ressourcenschonenden Baukultur. Das Projekt verbindet Praxis und Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – und zeigt, wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen Schritt für Schritt Realität werden kann.

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