Freunde beim gemeinsamen Essen

Lebensmittel retten statt wegwerfen​

Lebensmittelverschwendung ist auch in Bayern Alltag – jedes Jahr entstehen hier rund 1,3 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle. Auf ganz Deutschland gerechnet verursacht die Lebensmittelverschwendung jährlich fast so viele CO₂-Emissionen wie der gesamte innerdeutsche Flugverkehr. Jedes entsorge Lebensmittel steht dabei zusätzlich für die Verschwendung wertvoller Ressourcen wie Wasser, Energie und Ackerflächen. Künftig will die Kreislaufstadt München der Vergeudung unserer Lebensgrundlage besser Einhalt gebieten: Lebensmittel werden nicht verschwendet, sondern wertgeschätzt, gerettet und bewusst konsumiert. So könnten Abfälle drastisch reduziert und Ressourcen geschont werden.

Lebensmittelverschwendung entsteht entlang der gesamten Wertschöpfungskette:

  • Vor der Ernte & bei der Verarbeitung: Schon während Anbau, Ernte, Lagerung und Verarbeitung entstehen Verluste.
  • Im Handel & in der Gastronomie: Nicht verkaufte Ware, Fehler bei Lagerung oder Portionsgröße führen zu Verschwendung von ursprünglich genießbaren Lebensmitteln.
  • Im Haushalt: Mehr als die Hälfte der gesamten Lebensmittelabfälle in Europa entstehen in den Privathaushalten.

Um Lebensmittel besser zu nutzen, braucht es also Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Stadt als große Nachfragerin hat hier viele Möglichkeiten, im städtischen Wirkbereich einzugreifen und als gutes Beispiel voranzugehen. Digitale Plattformen helfen, Angebot und Nachfrage zu verknüpfen, damit weniger Ware ungenutzt bleibt. Im Gastronomie- und Handelsbereich spielen Foodsharing-Initiativen, Spendenprogramme oder Apps eine wichtige Rolle. Auch im Privaten können diese Initiativen helfen, überschüssige Lebensmittel besser zu verwerten oder weiterzugeben, statt wegzuschmeißen.

Wer seinen Einkauf plant, wirft später weniger weg. Eine kurze Einkaufsliste, ein Blick in den Kühlschrank und realistische Portionsgrößen helfen, Übermengen zu vermeiden. Auch kleinere Verpackungen oder Produkte, die vielseitig einsetzbar sind, sorgen dafür, dass zuhause nichts verkommt.

Viele Reste lassen sich problemlos in Suppen, Aufläufen oder Bowls verwerten – oft ohne großen Aufwand. Und: Mindesthaltbarkeitsdatum heißt nicht, dass etwas automatisch schlecht ist. Kurz prüfen, riechen, probieren – oft ist es noch bestens genießbar. Was man selbst nicht mehr braucht, kann man teilen, verschenken oder über geeignete Stellen spenden.

Mit digitalen Apps und Plattformen findet überschüssiges Essen schnell neue Abnehmer. Restaurants können kleinere Portionen, „Resteboxen“ oder günstige Angebote kurz vor Ladenschluss bereitstellen. Supermärkte wiederum geben einwandfreie, aber überschüssige Lebensmittel ab. So wird aus vielen kleinen Beiträgen ein großer gemeinsamer Effekt.

Kommunen können mit Vorgaben dafür sorgen, dass weniger Essen im Müll landet: etwa durch Standards für öffentliche Kantinen, Empfehlungen zu Portionsgrößen oder Regeln für Lebensmittelwerbung im öffentlichen Raum. Klare Rahmenbedingungen machen es für alle leichter, verantwortungsvoll zu handeln.

Ob etwas noch gegessen werden kann, zeigt ein kurzer Check: sehen, riechen, fühlen. Schimmel, fauliger oder ranziger Geruch, eine schmierige Oberfläche oder stark verfärbte Stellen sind deutliche Zeichen dafür, dass ein Produkt verdorben ist. Dann gehört es nicht mehr auf den Teller, sondern in die Biotonne.

Dort werden die Lebensmittelreste sinnvoll verwertet: In München entsteht daraus Ökostrom und im Erdenwerk Freimann zusätzlich hochwertige Komposterde. So leisten sogar verdorbene Reste noch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

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