Kreislaufwirtschaft klingt abstrakt – aber was bedeutet es konkret, wenn eine Stadt wirklich aufhört, Ressourcen zu verschwenden? Zehn europäische Städte haben sich in den vergangenen Jahren genau das gefragt und gemeinsam nach Antworten gesucht. Das Ergebnis: handfeste Pläne, ein gemeinsames Positionspapier an die EU – und für München ein wichtiger Schritt, die eigene Kreislaufwirtschaftsstrategie auf europäische Beine zu stellen.
Das Netzwerk „Let’s Go Circular!“ ist ein Projekt im Rahmen von URBACT, dem EU-Programm für nachhaltige Stadtentwicklung. Zehn Städte aus ganz Europa haben sich zusammengetan, um voneinander zu lernen und gemeinsam zu handeln. München war dabei – unter der Koordination des Referats für Arbeit und Wirtschaft.
Von der Strategie zum Aktionsplan
Jede beteiligte Stadt hat einen sogenannten Integrierten Aktionsplan (IAP) entwickelt – ein Dokument, das Vision, konkrete Maßnahmen und Monitoring zusammenführt. Kein abstraktes Strategiepapier, sondern ein Steuerungsinstrument, das wirklich benutzt werden soll.
München nutzt diesen Rahmen, um die bereits verabschiedete Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie (MKWS) weiterzuentwickeln und mit den europäischen Rahmenbedingungen zu verknüpfen. Denn eine Strategie, die nur auf dem Papier steht, bringt wenig – entscheidend ist, wie sie in der Praxis wirkt: in der städtischen Beschaffung, bei der Abfallwirtschaft, in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Zivilgesellschaft.
„Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht im Alleingang. Was München braucht, sind die richtigen Rahmenbedingungen – und die werden in Brüssel gemacht.“
Wenn Städte Europa ansprechen
Parallel zur lokalen Arbeit hat das Netzwerk ein gemeinsames Policy Paper verabschiedet – adressiert an das Europäische Parlament und die Europäische Kommission. Zehn Städte sprechen mit einer Stimme: Das hat Gewicht.
Die drei zentralen Forderungen
- Passende rechtliche Rahmenbedingungen, die kommunale Kreislaufansätze fördern statt behindern
- Eine stärkere, langfristige Finanzierung für Kreislaufmaßnahmen auf lokaler Ebene
- Eine bessere Vernetzung von EU-Politiken (z. B. Klima, Industrie, Ressourcen) mit den konkreten Transformationspfaden der Städte
München bringt dabei eine besondere Perspektive ein: die einer wachsenden Metropole, in der Ressourcenknappheit, Flächenkonkurrenz und Fachkräftesicherung unmittelbar spürbar sind.
Wenn in München ein Gewerbegebiet fehlt, wenn Mietpreise Reparaturbetriebe verdrängen, wenn keine Flächen für Kreislaufinfrastruktur vorhanden sind – das sind keine abstrakten Probleme.
Das Policy Paper schafft eine Plattform, um genau solche lokalen Erfahrungen in die europäische Gesetzgebung einzuspeisen.
Was das für München bedeutet
Die Teilnahme an „Let’s Go Circular!“ ist kein Selbstzweck. Sie stärkt Münchens Position als europäische Vorreiterin in der Kreislaufwirtschaft – und schafft Verbindungen zu Städten, von denen man lernen kann.
Alle Ergebnisse – von den Aktionsplänen der einzelnen Städte bis hin zum Policy Paper – sind öffentlich zugänglich. Wer wissen möchte, was München konkret plant und wie sich die europäische Perspektive anfühlt, findet unten die Links.
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- Kategorie: Bauen, Elektro, Lebensmittel, Textilien, Verpackungen, Wasser, Wirtschaft