Das Problem mit den Schuhen
Weltweit werden jährlich rund 24 Milliarden Paar Schuhe produziert. In Deutschland landen die aussortierten Schuhe meist in der Verbrennung oder auf Deponien. Das Recycling schlägt fehl: Schätzungen zufolge werden weltweit weniger als fünf Prozent der Altschuhe überhaupt recycelt. Der Grund dafür ist das Design der Schuhe selbst.
Das Design-Problem: Materialmix ohne Recycling-Chance
Bis zu 70 verschiedene Bestandteile stecken in einem einzigen Schuh: Kunststoff, Gummi, Leder, Baumwolle, Metall, Schaumstoffe, dazu jede Menge Kleber. Keines dieser Materialien lässt sich ohne Weiteres vom anderen trennen, sie sind verklebt, verschweißt oder ineinander verwoben.
Das Ergebnis: Rund 95 Prozent aller produzierten Schuhe können am Ende ihres Lebens nicht in den Kreislauf zurückgeführt werden. Sie werden verbrannt oder vergraben.
Hersteller selbst vergleichen ihre Produkte gern mit Hightech: auf Leistung und Tragekomfort optimiert, aber eben nicht auf Rückbau. Sohle, Zwischensohle, Obermaterial, Futter, Schnürsenkel, Ösen, Verstärkungen, jedes Teil aus einem anderen Material, jedes mit Hochleistungskleber fixiert.
Diese Bauweise hat einen Nebeneffekt: Sind Schuhe erst einmal verklebt statt reparierbar designt, verkürzt das ihre praktische Lebensdauer. Das trifft auf eine Branche, in der viele Modelle ohnehin nur für kurze Zeit im Sortiment bleiben, bevor neue Kollektionen folgen. Mit hochwertiger, reparierbarer Verarbeitung wäre technisch auch eine Nutzungsdauer von sechs bis zehn Jahren möglich.
Innovative Ansätze: Aus alten Sneakern wird Kleidung
Wie kreative Lösungen aussehen können, zeigt ein Beitrag der WDR Lokalzeit vom 26. Februar 2026. Alisa Bohl, Inhaberin von Art n Shoes, erklärt darin im Studiogespräch, wie alte Sneaker zu neuer Kleidung und neuen Produkten verarbeitet werden. Das Verfahren zeigt, dass in gebrauchten Schuhen wertvolle Rohstoffe stecken, die sich mit den richtigen Technologien wiederverwenden lassen.
Die Industrie kommt in Bewegung
Auch die Wirtschaft und die Forschung arbeiten an Lösungen. Ein vielversprechendes Beispiel kommt vom Fraunhofer-Institut: Dort entwickeln Forscher eine neue Art von Sohle, die nur aus einem einzigen Material besteht. Das Besondere daran: Trotzdem kann das Material an verschiedenen Stellen unterschiedlich weich oder fest sein, je nachdem wie es geformt wird. Das erinnert ein bisschen an eine Waffel, bei der die Rillen dafür sorgen, dass sie an manchen Stellen biegsamer ist als an anderen. Der große Vorteil: Weil Sohle und Obermaterial künftig aus demselben Grundstoff bestehen könnten, liesse sich der Schuh am Ende viel einfacher recyceln. Erste Versuche mit einem Sportartikelhersteller haben gezeigt, dass das Prinzip funktioniert.
Darüber hinaus fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 170.000 Euro ein gemeinsames Projekt der Schuhindustrie. 41 Unternehmen, darunter Hersteller, Händler und Reparaturbetriebe, arbeiten dort zusammen daran, wie Schuhe von Anfang an so entwickelt werden können, dass sie länger halten, leichter repariert und am Ende besser recycelt werden können. Auch hier geht es nicht nur um Technik, sondern vor allem darum, neue Geschäftsmodelle zu finden, die für die ganze Branche funktionieren.
Was kann ich selbst tun?
- Reparieren statt wegwerfen: Ein Schuster kann abgelaufene Absätze, gerissene Nähte oder lose Sohlen oft für wenig Geld reparieren, das verlängert die Lebensdauer erheblich und ist meist günstiger als ein Neukauf.
- Pflege nicht vergessen: Regelmäßiges Reinigen, Imprägnieren und das Verwenden von Schuhspannern schont das Material und verhindert, dass Leder reißt oder Sohlen sich vorzeitig lösen.
- Second-Hand kaufen oder verkaufen: Secondhand-Plattformen, Sneaker-Börsen oder lokale Second-Hand-Läden verlängern die Nutzungsdauer eines Schuhs, ohne dass neue Ressourcen verbraucht werden.
- Auf Herkunft und Materialangaben achten: Manche Hersteller kennzeichnen inzwischen, welche Materialien verwendet wurden oder bieten Transparenz über Lieferketten. Das erleichtert es, gezielt nach reparierbaren oder recycelbaren Modellen zu suchen.
- Auf Miet- oder Leihmodelle achten: Für Anlässe, die selten vorkommen (z. B. Wanderschuhe für den einen Jahresausflug), lohnt sich bei manchen Anbietern auch das Leihen statt Kaufen.
- Rücknahme-Programme nutzen: Einige Händler bieten mittlerweile Rücknahmesysteme an, bei denen alte Schuhe entgegengenommen und anschließend von spezialisierten Recyclingunternehmen in ihre einzelnen Materialbestandteile zerlegt werden.
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