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Welche Ressourcen unsere digitale Welt verbraucht

Digitalisierung ist wichtig, hat aber einen meist unsichtbaren Preis für die Umwelt. Gerade in der Verwaltung sparen wir Unmengen an Papier, Druckern und zeitlichen Ressourcen, wenn wir unsere Arbeit „digitalisieren“. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele, wo uns digitale Anwendungen bei der Schonung von Ressourcen helfen können. Jedoch führt die Digitalisierung, insbesondere die Nutzung von KI-Technologien, Bitcoins und datenschweren Planungsprozessen, aber auch jedes Social-Media-Video, das Streaming der Lieblingsserie am Abend oder der Versand einer Mail zu einem Verbrauch an Ressourcen, CO2-Emissionen, Wasser und Land.

Wir haben die riesigen Dateninfrastrukturen bei der Nutzung von digitalen Angeboten nur selten im Sinn, da sie meist eh im Verborgenen bleiben: in meist abgelegenen Rechenzentren, Unterseekabeln oder durch Satelliten. So läuft aktuell 95 % aller weltweiten Kommunikation über riesige, die Kontinente mehrfach vernetzende Unterseekabel. All diese technischen Infrastrukturen verbrauchen zum einen enorme Mengen an Ressourcen wie Lithium, Kupfer oder seltene Erden. Allein der Abbau von Lithium in der chilenischen Atacama-Wüste, führt zu massiver Boden- und Luftverschmutzung sowie zu einem hohen Wasserverbrauch – an einem der trockensten Orte der Welt. Zudem sind wir in Deutschland und Europa, was seltene Erden betrifft, in hohem Maße von Ländern wie China abhängig, welche die Vorkommen größtenteils kontrollieren.

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Zum anderen verbrauchen Rechenzentren enorme Mengen von Energien: Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass der Strombedarf der Zentren bis 2030 auf etwa 945 Terawattstunden auf mehr als das Doppelte ansteigen wird.
In Europa könnte sich der Bedarf laut einer McKinsey-Studie sogar nahezu verdreifachen, was rund fünf Prozent des gesamten europäischen Stromverbrauchs ausmachen würde. Insbesondere KI ist extrem energiehungrig, wie eine Studie im Auftrag von Greenpeace aus dem Jahr 2025 zeigt:
 

„KI-Modelle werden immer größer, komplexer und energiehungriger: Der Rechenaufwand für das Training verdoppelt sich etwa alle fünf Monate. (…) Der globale Strombedarf für KI-Rechenleistung ist 2030 ca.11-mal so hoch wie im Jahr 2023. (…) In den USA könnten Rechenzentren bis 2030 mehr Strom verbrauchen als die gesamte energieintensive Güterproduktion (Zement, Chemie, Stahl) zusammen.“

 

Zuletzt werden Wasser und Land beansprucht: Immer mehr Landflächen werden nicht nur für die großen Rechenzentren selbst gebraucht, sondern auch für Energiegewinnung (selbst durch erneuerbare Energien) und Kühlung sowie durch den Abbau der oben genannten Rohstoffe. Zugleich geben Rechenzentren enorme Wärme ab, die oft nicht genutzt wird, sondern im Gegenteil für Kühlung weitere Energie verbraucht wird.

Immerhin bei der Gestaltung und Standortwahl von urbanen Rechenzentren lassen sich Lösungen zur Reduktion der Umweltschadwirkungen finden, wie die folgenden drei Best Practices zeigen:

  1. Das Leibniz-Rechenzentrum in München nutzt die Abwärme, um das restliche Gebäude wie die Büroräume zu heizen und wandelt es zur Kühlung um.
  2. Das schwedische Projekt „Greenhouse Project“ von Genesis Digital Assets in Boden nutzt überschüssige Abwärme, um in einem Gewächshaus Gemüse und Pflanzen anzubauen.
  3. In Barcelona, Spanien, wurde das Supercomputing Center in den kühlen Räumen einer ehemaligen Kirche errichtet. So werden geeignete, bestehende Infrastrukturen genutzt.

Wer sich noch mehr mit dem Thema beschäftigen möchte, kann bis zum 8. März 2026 die Ausstellung „City in the Cloud: Data on the Ground. The Architecture of Data” in der Pinakothek der Moderne ansehen. Hier werden die kritischen Auswirkungen sehr gut veranschaulicht, aber auch positive Beispiele, wie der Münchner „digitale Zwilling“ des Geodatenservice vorgestellt. 

 

 

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