Wie kann München seine Textilien besser verwerten?
Jährlich fallen in der München tausende Tonnen Alttextilien an. Ein erheblicher Teil davon ist noch tragbar oder zumindest stofflich verwertbar. Dennoch landen Mengen im Restmüll und werden energetisch verwertet – also verbrannt –, statt als Ressource im Kreislauf zu bleiben.
Angesichts knapper Rohstoffe, steigender Entsorgungskosten und ambitionierter Klimaziele wird deutlich: Textilien sind kein Abfallproblem, sondern ein bislang unzureichend genutztes Wertstoffpotenzial. München steht damit exemplarisch für eine Herausforderung, vor der nahezu alle europäischen Großstädte stehen.
Die zentrale Frage lautet daher: Wie gelingt der Übergang von linearen Entsorgungswegen zu funktionierenden textilen Kreisläufen – konkret auf kommunaler Ebene?
Textilverwertung zwischen Anspruch und Realität
Unter Textilverwertung versteht man alle Wege, wie gebrauchte Kleidung nach ihrer Nutzung weiter genutzt wird – zum Beispiel durch Weitertragen, Wiederverwendung, Recycling oder, wenn nichts anderes mehr möglich ist, durch Verbrennung zur Energiegewinnung. Ziel ist es, den Wert von Textilien möglichst lange zu erhalten. In der Theorie ist dieses Prinzip klar, in der Praxis stößt es jedoch noch an viele Grenzen.
In Deutschland werden jedes Jahr rund 1,56 Millionen Tonnen Textilien verbraucht – das sind etwa 19 Kilogramm pro Person. Zwar werden rund 64 % der Alttextilien getrennt gesammelt, doch mehr als ein Drittel landet weiterhin im Restmüll oder in ungeeigneten Entsorgungswegen. Ein Teil der gesammelten Kleidung wird zudem ins Ausland exportiert, vor allem als Secondhand-Ware. Das zeigt: Obwohl viele Textilien noch nutzbar wären, werden sie bisher nur begrenzt hochwertig weiterverwendet oder recycelt.
Ein wichtiger Grund dafür sind die Grenzen des Textilrecyclings. Weltweit wird aktuell nur etwa 1 % der Textilien zu neuen Textilfasern recycelt. Mechanisches Recycling schwächt die Fasern oft so stark, dass sie nur noch für einfache Produkte geeignet sind. Chemisches Recycling kann zwar hochwertige Fasern erzeugen, ist aber teuer, energieintensiv und nur für bestimmte Materialien nutzbar. Deshalb führt selbst eine gute Sammlung nicht automatisch zu hochwertigem Recycling.
Dass an Verbesserungen gearbeitet wird, zeigt unter anderem ein Praxisbeispiel aus Bayern: Am Institut für Textiltechnik Augsburg (ITA) wird derzeit vor allem textiles Recycling unter Praxisbedingungen erprobt. Dort wird untersucht, wie Alttextilien wieder in neue textile Materialien überführt werden können. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Recycling technisch möglich ist, derzeit jedoch noch mit hohem Aufwand verbunden bleibt und stark von der Qualität und Zusammensetzung der gesammelten Textilien abhängt.
Denn ob ein Textil später verwertet werden kann, entscheidet sich bereits bei seiner Herstellung. Kleidung aus vielen unterschiedlichen Materialien, mit Beschichtungen, Knöpfen oder Elasthan ist schwer zu trennen und daher kaum recyclingfähig. Hier setzt die EU an: Neue Vorgaben sollen dafür sorgen, dass Kleidung langlebiger, reparierbarer und besser recycelbar wird und Hersteller mehr Verantwortung für ihre Produkte übernehmen.
Ein weiterer Engpass ist die Sammlung. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Alttextilien getrennt gesammelt werden. Für Städte bedeutet das neue Herausforderungen: Tragbare und nicht tragbare Textilien müssen unterschieden, Fehlwürfe reduziert und größere Mengen sinnvoll weiterverarbeitet werden. Ohne eine gut organisierte und verständliche Sammlung bleibt eine bessere Textilverwertung schwer erreichbar.
Wie will München eine bessere Verwertung für Textilien schaffen?
In mehreren Arbeitsphasen wurden Herausforderungen benannt, praxisnahe Lösungsansätze diskutiert und Beispiele aus bestehenden Projekten eingebracht.
Der Workshop lieferte damit wichtige Impulse für die weitere Ausgestaltungsmöglichkeiten der priorisierten Maßnahme, bessere Verwertungsmöglichkeiten für Textilien zu schaffen, und machte zentrale Handlungsbedarfe sichtbar, die in den nächsten Schritten weiter vertieft werden.
Ausbau und Differenzierung der Sammelsysteme
Eine hochwertige Verwertung beginnt bei der Sammlung. Werden tragbare und nicht mehr tragfähige Textilien gemeinsam erfasst, sinkt die Qualität der gesamten Sammelware. Künftig braucht es daher differenzierte Sammelsysteme mit klarer, verständlicher Kommunikation für die Bürger*innen.
Gleichzeitig ist eine belastbare Datengrundlage notwendig: Wie viele Textilien fallen an, in welchen Qualitäten, und für welche Fraktionen bestehen realistische Verwertungsoptionen? Nur wenn diese Stoffströme bekannt sind, lassen sich Sammel- und Verwertungssysteme sinnvoll dimensionieren und von Anfang an auf hochwertige Nutzung ausrichten.
Sortierung und Verwertung gemeinsam weiterentwickeln – Fokus auf gewerbliche Textilien
Ein sinnvoller Einstieg in eine bessere Textilverwertung liegt im Aufbau eigener Wiederverwendungskreisläufe für gewerbliche Textilien. Diese sind meist langlebiger, qualitativ hochwertiger und fallen in planbaren Mengen an.
Durch die gezielte Erfassung und Zusammenarbeit mit Sortier- und Verwertungsbetrieben können stabile und gut steuerbare Kreisläufe entstehen. Der Fokus auf gewerbliche Textilien ermöglicht es, praxistaugliche Lösungen zu erproben, die später auch auf andere Textilströme übertragen werden können.
Bessere Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten
Damit Textilien besser genutzt werden können, müssen alle Beteiligten besser zusammenarbeiten – vom Sammeln über die Weitergabe bis zur Verwertung. Denkbar sind neue Formen des Austauschs, die lokale Kreisläufe stärken und es leichter machen, passende Angebote und Bedarfe zusammenzubringen.
Kleidung möglichst lange nutzen
Der größte Umweltvorteil entsteht, wenn Textilien möglichst lange getragen werden. Secondhand-Angebote, Reparaturmöglichkeiten und soziale Betriebe leisten hier einen wichtigen Beitrag und sollten gezielt unterstützt werden.
Damit Wiederverwendung für alle selbstverständlich wird, brauchen Bürger*innen einfache und gut erreichbare Angebote – etwa zum Reparieren, Weitergeben oder Weiterverkaufen von Kleidung. Je einfacher diese Möglichkeiten sind, desto häufiger werden sie genutzt.
Transparenz und Verbraucher*innenbildung
Auch die beste Infrastruktur bleibt wirkungslos, wenn sie nicht verstanden wird. Klare Information darüber, wie Textilien verwertet werden und warum bestimmte Trennungen notwendig sind, ist daher zentral.
Dabei sollte bewusst mit Sprache gearbeitet werden: Statt von „Textilabfall“ zu sprechen, gilt es, Textilien als Ressource oder Sekundärrohstoff zu kommunizieren. Ein solches Verständnis stärkt die Sammelqualität, erhöht die Akzeptanz neuer Systeme und ist Voraussetzung für funktionierende textile Kreisläufe.
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- Kategorie: Textilien