Kreislaufwirtschaft Wasser

Wie können Zisternen bei Gebäude und Infrastrukturen helfen, Münchens Wassernutzung zu reduzieren?

München muss wertvolles Trinkwasser sparen – heute und in Zukunft umso mehr. Die im Juli 2026 erlassene Allgemeinverfügung macht uns den Ernst der Lage bewusst: Wir müssen neue Wege finden, um weniger Frischwasser zu verbrauchen. Eine Antwort darauf ist die Nutzung von Regenwasser durch Zisternen und Retentionsflächen.

Was sind Zisternen?

Eine Zisterne ist ein geschlossener Wasserspeicher, der Regenwasser sammelt und speichert. Sie kann ober- oder unterirdisch sein und wird aus Materialien wie Kunststoff, Stahl oder Beton gefertigt. Das gespeicherte Wasser wird für Gartenbewässerung, Reinigung, Toilettenspülung und andere Zwecke genutzt, um Trinkwasser zu sparen und Ressourcen zu schonen.

Wo Zisternen in der Stadt München bereits Realität sind

Zisternen in Gebäuden und bei Anlagen zu integrieren ist aber keineswegs nur eine ferne Idee der Zukunft, sie haben in der Stadt eine lange und zum Teil denkmalgeschützte Tradition.

Ein herausragendes Beispiel verbirgt sich im Neuen Rathaus: Hier wurde im Zuge der Trink- und Löschwasserversorgung bereits 1908 eine historische Zisterne angelegt, welche insgesamt knapp beeindruckende 1.200 Kubikmeter Wasser fasst. Die Anlage liegt in einem gewölbten, backsteinverzierten Untergeschoss und kann im Rahmen von Innenhof-Führungen sogar besichtigt werden.

Noch älter ist die „Königliche Hofzisterne“ im Nordflügel von Schloss Nymphenburg. Sie wurde schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut, um die Bewässerung der weitläufigen Schlossgärten sicherzustellen, und steht Besuchern heute als Teil des öffentlichen Museumskomplexes offen. 

Auch unterhält das Baureferat der Landeshauptstadt München einige Sportplatzanlagen, die bisher überwiegend mit wertvollem Trinkwasser und teilweise mit Grundwasser bewässert werden.

Wie effektiv und ressourcenschonend ein Umdenken sein kann, zeigt in diesem Zuge eindrucksvoll eine Machbarkeitsstudie an der Münchner Bezirkssportanlage Bert-Brecht-Allee.
Hier wird gezeigt: Geht man davon aus, dass auf der Fläche eines Hauptfeldes von 5.824 Quadratmetern der Niederschlag gesammelt wird, reicht bereits eine Zisterne mit einem Speichervolumen von 300 Kubikmetern zur Bewässerung aus. Mit dieser Anlage ließen sich im langjährigen Durchschnitt beachtliche 85 Prozent der Bewässerung des Rasensportplatzes rein durch Regenwasser abdecken. Ein enormer Gewinn – nicht nur, um die Trink- und Grundwasserreserven zu schonen, sondern auch, um die Stadt robust gegen künftige Wasserknappheit aufzustellen. Zudem ist die Vermeidung von verschwendeten Ressourcen und ein bewussterer Nutzen von Wasser ein großer Vorteil.

Zisternen in Bürogebäuden?

Konzept und Praxis: Das Gebäude des Munich Urban Colab.
© Munich Urban Colab / Stefan Müller-Naumann

Während die Regenwassernutzung im Freien offensichtlichere und leicht umsetzbare Erfolge verspricht, sieht es im Inneren von Bauwerken leider noch anders aus.
Im Bestand von öffentlichen Gebäuden und Bürokomplexen kommen Zisternen eher selten zur Anwendung.
Ein solches System erfordert nämlich ein strikt getrenntes Leitungsnetz für Trink- und Brauchwasser, um gesundheitliche Risiken durch Verunreinigungen hundertprozentig auszuschließen. Hohe Installationskosten, der erhebliche Platzbedarf für zusätzliche Leitungen sowie große Tanks im Kellergeschoss und der historisch relativ günstige Trinkwasserpreis machten derartige Anlagen aktuell bei Bestandsgebäuden wirtschaftlich unattraktiv.
Dennoch ist das Potential für Zisternen zur Nutzung von Regen- und Brauchwasser insbesondere bei Neubauten in denen auch doppelte Leitungen verlegt werden groß. Ein Beispiel hierzu liefert auch das Projekt „tomorrow“ im Münchener Werksviertel.

Bildergalerie

Best Practice Beispiel: Das Projekt „tomorrow“ im Münchener Werksviertel

Das „tomorrow“ in der Friedenstraße 2 ist ein aktuelles Bauprojekt im Münchener Werksviertel, von dem wir uns bei einer Besichtigung vor Ort selbst überzeugen konnten. Das Wasserkreislaufsystem wurde vom Architekturbüro Falk von Tettenborn Architects entworfen und von TM Ausbau mitgestaltet.

Das Gebäude verfügt über eine Zisterne im Keller, eigene Leitungen zur Regen- und Brauchwassernutzung und durch Begrünungen an der Fassade und auf dem Dach über eine Vielzahl an Retentionsflächen, also Bereiche an denen Regenwasser gesammelt werden kann. Ein weiterer Clou: Die zahlreichen Solarpaneele der Außenfassade dienen als Rankhilfen für die Pflanzen.

Zum Zeitpunkt unserer Besichtigung wurden schon die Solarpanels an der Fassade montiert, die Zisterne befindet sich mittig unterirdisch im Gebäude (Bild x) und man konnte sich den Anblick der Begrünung bereits im Gesamtbild an den Rankflächen außen (Bild y) sowie den zahlreichen Pflanzenkästen auf dem Dach (Bild z) vorstellen.

Das System verfolgt hierbei primär zwei konkrete Nachhaltigkeitsziele:

  • Bewässerung der Vertikalbegrünung: Rund 80 verschiedene Pflanzenarten sollen die Fassade prägen. Der Wasserkreislauf stellt sicher, dass das gesammelte Regenwasser gezielt zur Bewässerung dieser Grünflächen genutzt wird.
  • Natürliche Klimatisierung (Evaporative Kühlung): Durch die gezielte Verdunstung des Wassers über die Pflanzenblätter und Moosflächen entsteht ein natürlicher Kühleffekt. Dieses Mikroklima soll zusätzlich die Lüftungsanlage des Gebäudes entlasten und senkt gleichzeitig die Umgebungstemperatur.

Das integrierte Regenwassermanagement ist ein spannendes Beispiel, das auch in München hoffentlich zahlreiche Nachfolger finden wird.

Eine weitere Inspiration ist der ALTMarktgarten Oberhausen, welche neben dem Jobcenter auch ein Dachgewächshaus auf dem „Urban Farming“ betrieben wird, besitzt. Auch hier wird Regenwasser in einer gebäudeeigenen Zisterne gesammelt und für die Bewässerung der Pflanzenzucht als auch für Toilettenspülungen und andere Anwendungen als Brauchwasser genutzt.

Eigener Einbau einer Zisterne zu Hause und staatliche Förderung

Angesichts spürbar trockenerer Sommer und zunehmender Starkregenereignisse wird ein kluges Wassermanagement auch auf dem eigenen Grundstück immer wichtiger. Wenn Sie Regenwasser sammeln, leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz: Sie schonen kostbare Trinkwasserreserven und entlasten bei starkem Niederschlag ganz nebenbei die städtische Kanalisation. Gerade für Ihren Garten ist das weiche, von Natur aus kalkarme Regenwasser ohnehin die deutlich bessere Wahl, da es den Pflanzen besonders gut bekommt und sie optimal versorgt.

Um größere Mengen Niederschlag effizient aufzufangen, ist der Einbau einer unterirdischen Zisterne besonders empfehlenswert. Dort lagert das Wasser kühl und dunkel, was einer Algen- und Keimbildung effektiv vorbeugt.

Die Investition in eine Regenwassernutzungsanlage lohnt sich, zumal Sie im Freistaat Bayern mit finanzieller Unterstützung rechnen können.

Modellhaus und dahinter sind Geldscheine
© Andreas Steidlinger / iStock

Gemäß den aktuellen Richtlinien für Zuwendungen in der Wasserwirtschaft (RZWas 2025) kann der Neubau oder die Nachrüstung von Zisternen gefördert werden, da sie dem Schutz des Grundwassers und der nachhaltigen Wasserversorgung dienen. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Anlage fachgerecht abgedichtet, gefiltert und installiert wird sowie ausschließlich für nicht-trinkwasserrelevante Zwecke genutzt wird. Ganz wichtig: Wenn Sie die Fördermittel (wie pauschale Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehen) in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie den Antrag bei der zuständigen Wasserbehörde oder Förderstelle zwingend stellen, bevor Sie mit der Maßnahme oder dem Einbau beginnen.

Eine weitere Fördermaßnahme stellt das Bayrische Umweltministerium den Kommunen mit der Neuauflage der Richtlinie zur Förderung des kommunalen Klimaschutzes (KommKlimaFöR 2026) im Bayrischen Klimaschutzprogramm. Die Förderung wurde erstmals im Jahr 2019 aufgelegt und zeigt angesichts der insbesondere aktuell deutlich spürbaren Hitzewelle die große Bedeutung die Widerstandsfähigkeit im Sinne des Klimaschutzes und der Klimaanpassung auszubauen. Dabei bezieht sich die Förderung auf den Ausbau grüner und blauer Infrastruktur. Das beinhaltet unter anderem Klimawälder & -parks, Dachbegrünung und Beschattung für öffentliche Plätze, als auch Wasseranlagen zur Kühlung der Umgebung, sowie die Nutzung von Regenwasser wie es mit Zisternen möglich ist. Die unterstützten Maßnahmen bieten hierbei einen wichtigen Teil der Lösung für Hochwasser, Starkregen, Hitze und Trockenheit.

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