Fasching neu gedacht: Kostüme im Kreislauf
Bunt, laut und kreativ – so lieben viele den Fasching. Weniger sichtbar ist jedoch die Kehrseite: Jedes Jahr werden tausende Kostüme neu gekauft, nur wenige Stunden getragen und danach entsorgt. Billige Materialien, kurze Nutzungsdauer und kaum Wiederverwertbarkeit machen Fasching zu einem überraschend ressourcenintensiven Ereignis. Verkleiden geht auch anders. Zirkulär, kreativ und alltagstauglich.
Vom Kaufen zum Nutzen
Der klassische Weg ist bekannt: Ein Kostüm wird neu gekauft, oft günstig produziert, einmal getragen und verschwindet. Der alternative Weg fühlt sich zunächst ungewohnt an – entpuppt sich aber schnell als unkompliziert. Zirkulär zu denken heißt nicht, auf etwas zu verzichten.
Es heißt, den Fokus zu verschieben:
- vom Besitz zur Nutzung,
- vom Perfekten zum Persönlichen,
- vom Neukauf zur Idee.
Upcycling: Aus vorhandenem Material Neues machen
Upcycling bedeutet, vorhandene Materialien kreativ weiterzuverwenden und in etwas Neues zu verwandeln. Für Faschingskostüme heißt das: alte Kleidung, Stoffreste oder Tücher nicht aussortieren, sondern umnähen, kombinieren oder gezielt verändern.
Oft reichen schon einfache Nähkenntnisse, um neue Kostümteile entstehen zu lassen. Und auch ohne eigene Nähmaschine ist das kein Hindernis: In Nähcafés oder Upcycling-Workshops lässt sich gemeinsam arbeiten und voneinander lernen. In München bietet zum Beispiel das Kulturzentrum LUISE bis März regelmäßig eine offene Näh-Repairwerkstatt an. Auch der Verein die h.alle organisiert Workshops und stellt offene Werkstätten zur Verfügung.
Alternativ gibt es online zahlreiche Tutorials für Anfänger:innen, die Schritt für Schritt zeigen, wie Upcycling auch ohne Vorkenntnisse gelingt. So wird aus wenig Material ein individuelles Kostüm – und ganz nebenbei ein einfacher Einstieg in zirkuläres Denken.
Foto: ©MarinaNazina_Unsplash
Ideen für Upcycling Kostüme
- Dinosaurier
Ein alter grüner Pullover oder eine Jacke wird zur Basis. Aus Stoffresten oder alten Textilien Dreiecke ausschneiden und entlang des Rückens oder der Kapuze aufnähen oder ankleben. Je bunter oder schiefer, desto lebendiger – fertig ist der Dino-Look. - Kunstwerk
Alte Kleidung als „Leinwand“ nutzen, mit Stoffresten, Farbklecksen oder aufgenähten Formen. Ein Rahmen aus Karton macht aus der Person ein wandelndes Kunstwerk. - Wetterbericht / Gewitterwolke
Graue Kleidung oder ein Hoodie als Basis. Aus Stoffresten, Watte oder Papier Wolken formen und locker befestigen. Gelbe oder blaue Stoffstreifen werden zu Regen oder Blitzen. Optional: ein Schild mit „80 % Regenwahrscheinlichkeit“. - Marienkäfer
Ein rotes T-Shirt oder ein alter Pulli genügt. Schwarze Punkte lassen sich aus Stoffresten ausschneiden und aufnähen oder mit Textilfarbe aufmalen. Ein schwarzer Cardigan oder schwarze Kleidung darunter ergänzt das Kostüm.
Upcycling zeigt, wie viel schon vorhanden ist – und wie wenig es oft braucht, um daraus etwas Neues zu machen. Aber natürlich hat nicht jede:r Lust oder Zeit zu nähen, zu basteln oder sich länger mit Kostümideen zu beschäftigen. Auch das gehört zum Alltag dazu. Die gute Nachricht: Zirkulär zu feiern funktioniert auch ohne Selbermachen. Wer nicht kreativ sein möchte oder kann, muss deshalb nicht automatisch neu kaufen.
In München gibt es mehrere einfache Wege, Kostüme weiterzuverwenden – zum Beispiel durch Ausleihen, Tauschen oder den Kauf von Secondhand-Teilen. Kostümverleihe wie der Treibstoff Kostümfundus machen es leicht, ein Kostüm für kurze Zeit zu nutzen und danach wieder zurückzugeben. Das Prinzip ist unkompliziert: Man leiht, trägt – und gibt weiter. Wie beim Upcycling geht es auch hier nicht um Verzicht, sondern um einen bewussteren Umgang mit Dingen.
Wer lieber selbst kombiniert, findet in Secondhand-Läden passende Einzelteile. Kleidung wird dabei zum Baukasten: Ein Teil für das Kostüm, das danach auch im Alltag weitergetragen werden kann. Über den Second-Hand-Führer des Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) lassen sich Secondhand-Läden in München leicht finden und schnell zeigt sich, dass zirkuläre Alternativen oft günstiger und vielseitiger sind als gedacht.
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- Kategorie: Textilien